Wenn Ihr Schwarm dazu neigt, Ihre Rendez-vous im letzten Moment abzusagen, sind Sie möglicherweise Opfer von Gophering

Das wiederholte Absagen eines Dates im letzten Moment, bekannt als Gophering, ist ein Phänomen, das immer mehr Singles in Deutschland frustriert. Überraschenderweise steckt dahinter oft weniger böse Absicht als eine tief sitzende Angst der absagenden Person. Diese Taktik, ein vielversprechendes romantisches Rendezvous nach dem anderen zu vereinbaren, nur um es kurz vor knapp platzen zu lassen, wirft eine entscheidende Frage auf: Was treibt jemanden dazu, die Vorfreude des anderen zu wecken und dann systematisch zu zerstören? Die Gründe sind komplexer als ein einfacher Mangel an Interesse und enthüllen viel über die psychologischen Hürden des modernen Datings im digitalen Zeitalter.

Die Anatomie einer modernen Enttäuschung: Was ist Gophering?

Lena Schmidt, 29, Marketingmanagerin aus Hamburg, erzählt: „Nach wochenlangem, tollem Chatten mit Mark war ich so aufgeregt für unser erstes Treffen. Eine Stunde vorher kam die Nachricht: ‚Sorry, schaffe es doch nicht, was dazwischengekommen.‘ Das passierte noch zweimal. Es hat mein Selbstvertrauen wirklich angekratzt.“ Lenas Erfahrung ist ein klassisches Beispiel für Gophering. Es beschreibt das Verhalten, ein romantisches Rendezvous zu vereinbaren, oft nach intensivem Online-Austausch, und es dann kurzfristig mit einer vagen Ausrede abzusagen. Im Gegensatz zum Ghosting, bei dem der Kontakt komplett abbricht, kann der „Gopher“ sogar ein neues Treffen vorschlagen, nur um den Zyklus der Absage zu wiederholen.

Dieses Muster ist keine Seltenheit mehr. Eine aktuelle Umfrage unter deutschen Dating-App-Nutzern aus dem Jahr 2025 ergab, dass fast die Hälfte der Befragten bereits eine kurzfristige Absage für ein erstes persönliches Kennenlernen erlebt hat. Die Ausreden sind oft stereotyp: ein plötzlicher beruflicher Notfall, ein kranker Freund oder eine unerwartete Autopanne. Doch hinter diesen Vorwänden verbirgt sich eine tiefere Dynamik, die mehr über den Absagenden als über den Verlassenen aussagt. Das geplante Date wird zu einer Art Trophäe, die man gewinnt, aber nie wirklich abholt.

Vom Chat zum Café: Die unsichtbare Mauer

Der Übergang von der digitalen zur realen Welt ist für viele die größte Hürde. Online kann man ein idealisiertes Bild von sich selbst präsentieren, sorgfältig formulierte Nachrichten senden und die Kontrolle behalten. Ein romantisches Rendezvous von Angesicht zu Angesicht ist hingegen unvorhersehbar. Es erfordert Authentizität und Verletzlichkeit. Für manche Menschen ist diese Aussicht so beängstigend, dass die Absage des Treffens im letzten Moment als der sicherere Ausweg erscheint. Sie genießen die Bestätigung, die sie durch die Zusage für das Date erhalten, scheuen aber den Moment der Wahrheit.

Die Psychologie hinter der Absage: Angst trifft auf Ego

Warum sollte jemand wiederholt ein romantisches Rendezvous planen, ohne die Absicht zu haben, es wahrzunehmen? Experten wie die Berliner Paartherapeutin Dr. Eva Brandt weisen auf zwei Hauptmotive hin: die Angst vor Ablehnung und das Bedürfnis nach Ego-Bestätigung. Diese beiden Kräfte schaffen einen Teufelskreis, aus dem der „Gopher“ nur schwer ausbrechen kann.

Die lähmende Angst vor dem „Was wäre wenn?“

Für viele ist die Absage eines Dates ein Schutzmechanismus. Die Angst, nicht zu gefallen, dass die Chemie nicht stimmt oder dass man den Erwartungen des anderen nicht gerecht wird, kann überwältigend sein. Indem sie das romantisches Rendezvous absagen, vermeiden sie proaktiv eine mögliche Zurückweisung. Sie kontrollieren das Ende der Interaktion, bevor sie überhaupt eine Chance hatte, schlecht zu laufen. Dieses Verhalten ist oft unbewusst. Die Person spürt eine immense Anspannung vor der Verabredung und die Absage führt zu sofortiger Erleichterung. Sie schützen sich vor der Möglichkeit, verletzt zu werden, indem sie nie den Sprung in die Realität wagen.

Das Date als Trophäe für das Selbstwertgefühl

Auf der anderen Seite des Spektrums steht das Ego. In der Welt der Dating-Apps kann die Anzahl der Matches und der zugesagten Dates zu einer Währung für das eigene Selbstwertgefühl werden. Jede Zusage für ein romantisches Rendezvous ist ein kleiner Sieg, eine Bestätigung der eigenen Attraktivität und Anziehungskraft. Für manche Menschen reicht diese virtuelle Bestätigung bereits aus. Das eigentliche Treffen im Café ist gar nicht mehr notwendig. Der Nervenkitzel liegt in der Jagd und der Eroberung – also darin, jemanden davon zu überzeugen, sich mit ihnen zu treffen. Die Durchführung des Plans, die greifbare Begegnung, birgt dann wieder das Risiko des Scheiterns und wird daher vermieden.

Gophering: Motive des Absagenden vs. Gefühle des Opfers
Motive des „Gophers“ (Absagender) Empfinden des Opfers (Versetzter)
Angst vor Ablehnung und Verletzlichkeit Verwirrung und Selbstzweifel („Liegt es an mir?“)
Bedürfnis nach Ego-Bestätigung (Validierung) Frustration und Gefühl, nicht respektiert zu werden
Vermeidung von realer Konfrontation und Anstrengung Enttäuschung und schwindendes Vertrauen in den Dating-Prozess
Unsicherheit über die eigenen Absichten Gefühl der Zeitverschwendung und emotionaler Verausgabung

Die emotionalen Kosten: Wenn das Vertrauen schwindet

Für die Person, die immer wieder versetzt wird, sind die Folgen alles andere als trivial. Jede kurzfristige Absage für ein lang erhofftes Treffen ist ein kleiner Stich ins Herz. Es nagt am Selbstbewusstsein und führt zu quälenden Fragen: „Bin ich nicht interessant genug?“, „Habe ich etwas Falsches gesagt?“. Besonders wenn dieses Muster wiederholt auftritt, kann es das Vertrauen in andere und in den gesamten Dating-Prozess nachhaltig erschüttern. Man beginnt, jede neue Bekanntschaft mit Skepsis zu betrachten, und die anfängliche Freude und Offenheit weichen einer vorsichtigen Zurückhaltung.

Wie man Gophering erkennt und darauf reagiert

Das Erkennen von Gophering ist der erste Schritt, um sich selbst zu schützen. Ein einmaliges Absagen kann jedem passieren, das Leben ist unvorhersehbar. Wenn jedoch eine Person wiederholt ein romantisches Rendezvous absagt, besonders kurz vorher und mit vagen Ausreden, sollten die Alarmglocken läuten. Ein weiteres Anzeichen ist, wenn die Person zwar sofort ein neues Treffen vorschlägt, aber ausweichend wird, wenn es um die konkrete Planung geht. Anstatt auf das nächste geplante Date zu hoffen, das wahrscheinlich nie stattfinden wird, ist es oft gesünder, klare Grenzen zu setzen. Eine direkte, aber nicht anklagende Nachricht kann Klarheit schaffen, zum Beispiel: „Ich hatte mich auf unser Treffen gefreut. Ich verstehe, dass Dinge dazwischenkommen können, aber ich habe das Gefühl, dass es schwierig für uns ist, ein Treffen zu realisieren. Ich wünsche dir alles Gute.“

Letztendlich ist es wichtig, sich daran zu erinnern, dass das Verhalten des „Gophers“ ein Spiegel seiner eigenen Unsicherheiten ist und nichts mit dem eigenen Wert zu tun hat. Die Energie, die man darauf verwendet, auf ein unsicheres romantisches Rendezvous zu warten, ist besser in Verbindungen investiert, bei denen beide Seiten gleichermaßen bereit sind, den Schritt von der virtuellen in die reale Welt zu wagen. Ein erfolgreiches erstes persönliches Kennenlernen basiert auf gegenseitigem Respekt und dem Mut, sich wirklich zu zeigen. Wer diesen Mut nicht aufbringt, ist vielleicht einfach noch nicht bereit für die Art von Verbindung, die man sich wünscht.

Was tun, wenn man selbst zum „Gopher“ wird?

Wenn Sie bei sich selbst bemerken, dass Sie wiederholt ein romantisches Rendezvous absagen, ist es Zeit für eine ehrliche Selbstreflexion. Fragen Sie sich, was Sie wirklich von Dating-Apps erwarten. Suchen Sie nach echter Verbindung oder nur nach oberflächlicher Bestätigung? Die Angst vor dem ersten Treffen ist normal, aber wenn sie lähmend wird, könnte es hilfreich sein, die eigenen Erwartungen an das Date herunterzuschrauben. Es geht nicht darum, die Liebe des Lebens zu finden, sondern einfach darum, einen Menschen kennenzulernen. Ein kurzes, unverbindliches Treffen auf einen Kaffee kann den Druck von der Verabredung von Angesicht zu Angesicht nehmen.

Ist es immer Gophering oder manchmal einfach nur Pech?

Ein einziges abgesagtes romantisches Rendezvous ist kein Gophering. Echte Notfälle passieren. Der Schlüssel zur Unterscheidung liegt im Muster. Gophering ist eine wiederholte Handlung. Wenn jemand ein Treffen absagt, aber eine aufrichtige, spezifische Entschuldigung liefert und sofort einen konkreten neuen Vorschlag macht, den er auch einhält, handelt es sich wahrscheinlich um einen unglücklichen Zufall. Wenn die Absagen jedoch zur Regel werden, die Ausreden vage bleiben und die Initiative für eine Neuplanung immer von Ihnen ausgehen muss, dann sind Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit Opfer dieser frustrierenden Dating-Taktik.

Wie schütze ich mein Selbstwertgefühl nach so einer Erfahrung?

Der wichtigste Schritt ist, die Situation nicht persönlich zu nehmen. Das Verhalten des anderen ist eine Reflexion seiner eigenen Ängste und Unsicherheiten, nicht Ihres Wertes. Konzentrieren Sie sich auf Aktivitäten und Freundschaften, die Ihnen ein gutes Gefühl geben. Erinnern Sie sich daran, dass ein abgesagtes romantisches Rendezvous nichts über Ihre Attraktivität oder Liebenswürdigkeit aussagt. Sehen Sie es als einen Filter: Jemand, der nicht einmal den Mut für ein erstes Treffen aufbringt, wäre wahrscheinlich auch kein verlässlicher Partner gewesen. Jede Absage ist somit auch eine Chance, den Weg für jemanden freizumachen, der wirklich bereit für eine Begegnung ist.

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